Rede zum 20ig-jährigen Jubiläum des Fördervereins Kleinkunstbrauerei Thaddäus e.V.
Laudator: Dr. Martin Oswald, Weingarten
Verehrte Festgäste, liebe Liebhaberinnen und Liebhaber der Kleinkunstbrauerei Thaddäus, liebe Finalisten der Kleinkunsttage, all Ihr, die Ihr so lange durchgehalten habt.
Wir feiern heute ein ganz besonderes Jubiläum: Seit exakt 20 Jahren wartet der Kindergarten in Kaisheim auf das verbleibende Vermögen des Fördervereins Kleinkunstbrauerei Thaddäus e.V., der am 22. 06. 1989 unter der Nummer VR 536 (das ist nebenbei die Zellennummer der Schwerverbrecher nebenan) in das Vereinsregister des Amtsgerichts Nördlingen, Zweigstelle Donauwörth, eingetragen wurde. Gemäß der am 26. April desselben Jahres beschlossenen Satzung fiele nämlich bei Auflösung des Vereins das Vermögen den Kleinsten von Kaisheim zu. Dazu aber ist es nicht gekommen und genau darauf gilt es heute anzustoßen: 20 Jahre Förderverein Kleinkunstbrauerei Thaddäus!
Wir haben Euch wahrlich viel zu verdanken. Wir, das sind die Freundinnen und Freunde von Kleinkunst, Kabarett und Lederkanapee, die Liebhaber des weißen Gewölbes, die Liebhaberinnen der weisen Panitzbrüder, des kühlen Kellers und des hölzernen Engels, des guten Essens und des roten Weins, der Gastlichkeit und endloser Nächte, die Tänzer und Faulenzer, Einzelgänger, Müßiggänger und Grenzgänger, Exfreundinnen und Stammgäste, Ausbrecher und Einbrecher, Aus- und Einkehrer, Gefängnis- und Frühstücksdirektoren, Köche, Zubereiter, Wegbereiter, Auf-, Über- und Zurücktretende, Sponsoren, Förderer und Faszinierte, kurzum: alle Kleinkunstordensbrüder und Schwestern im Dunstkreis zwischen Küche, Kunst und Knast.
Wir alle sind Euch dankbar, dass Ihr vor 20 Jahren den Mut hattet, die abwegige Idee zu unterstützen, abseits aller Metropolen irgendwo zwischen Donautal und einem abgestürzten Meteoriten eine Kleinkunstbühne zu fördern. Aus der Liste der heute 333 Mitglieder habe ich eine Zufallsauswahl getroffen, der ich hier und heute stellvertretend für alle anderen für die jahrelange Treue danken möchte (...). Herausgerissen aus der Anonymität des passiven, zahlenden Mitglieds stehen Sie für alle, die sich unermüdlich für ein Programm mit jährlich 40 Veranstaltungen engagieren und immer wieder mit finanziellen Mitteln einspringen, wenn es darum geht, den Laden am Laufen zu halten. Mit der Einrichtung der gesamten Licht- und Tontechnik im Saal, dem Mischpult, dem Klavier, der Bezahlung von Übernachtungskosten (denn auch Kabarettisten schlafen manchmal) und der Anschaffung von Sitzkissen, denn auch das Publikum wird älter und selbst um Ärsche muss man sich bisweilen kümmern. Schließlich wird auch das Kleinkunstgeschäft immer härter.
Stellvertretend für die Phalanx prominenter Vereinsmitglieder seien hier Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt genannt, die durch Benefizauftritte und spontane Sondergaben immer wieder als Kleinkunstsamariter in Erscheinung traten und ihren Andachtswinkel im Weinkeller redlich verdient haben.
Zu danken ist jenen 79 Mutigen, die am 26. April 1989 einem Verein beigetreten sind, der sich in seiner Satzung bis heute eher dubiosen Zielen verschreibt. So entnehmen wir dieser Satzung Folgendes: „Im Einzelnen solle alle Arten von Musik, Kleinkunst und private Kultureinrichtungen gefördert werden, sowie Gruppenarbeit auf künstlerischem Niveau gepflegt werden“. Das konnte so viel bedeuten wie der gute Schoppen Wein am Wirtshaustisch oder artistische Übungen am heißen Herd. Es bedeutete aber vor allem und nur: Ein anspruchsvolles Kleinkunstbühnenprogramm, das in der Tat alle Arten der Kleinkunst, wenn sie nur gut ist, zulässt, und das ist umso leichter, wenn der Maßstab im eigenen Haus logiert, nämlich als MEHLPRIMELN. Eurer Bodenhaftung ist es zu verdanken, dass die meisten Mitglieder dem engsten regionalen Umkreis entstammen, auch wenn die Donauwörther Zeitung in ihrem Artikel zur Gründungsversammlung einst stolz vermeldete, dass die Mitglieder in spe sogar aus dem entfernten Wertingen und Dillingen gekommen seien, um, wie es heißt, das kulturelle Bemühen der Mehlprimeln zu unterstützen, denen es vor allem um die Wiederbelebung der Volksmusik gegangen sei. Und um die Hürde des Vereinseintritts noch niedriger zu hängen, wies die Heimatzeitung auf den ermäßigten Beitrag von 24 Mark für Personen mit geringem Einkommen hin, um hinzuzufügen: „Dies haben übrigens auch schon ´Scheibenwischer´ Dieter Hildebrandt und Gerhard Polt zugesagt“. Folgerichtig überreichte Jakob Drexler vom Patenverein Hörbach den Mehlprimeln damals ein beziehungsreiches Geschenk: Ein altes Fenster mit der Beschriftung „Damit der Durchblick nie verloren geht“. Ich bezweifle, ob das den Mehlprimeln immer gelungen ist. Das wäre ja auch furchtbar langweilig.
Sicher aber bin ich mir, dass der Verein den Überblick stets gewahrt hat und dafür auch künftig sorgt, dass es hier weiter geht. Zu Recht darf Euch also gratuliert werden zum 20ig-jährigen Jubiläum des Fördervereins Kleinkunstbrauerei Thaddäus e.V., benannt nach jenem spätbarocken Abt Judas Thaddäus Mayr, der vor ziemlich genau 300 Jahren die Idee hatte, hier in Kaisheim eine Klosterbrauerei zu gründen, dem es aber aus Rücksichtnahme auf das andere Geschlecht verwehrt blieb, die Verwirklichung seiner Pläne zu erleben Denn als in Niederschönefeld Frau Rosa von Burgau die feierlichen Gelübde abgelegt hatte und hierbei an der Tafel viele angesehene Gäste, besonders aus dem Frauengeschlechte sich befanden, blieb Abt Thaddäus längere Zeit sitzen, als dem Fassungsvermögen seiner inneren Organe zuträglich war, wollte er doch die Festgesellschaft nicht durch seine Wanderschaft behufs des Wasserabschlags stören: und so zerplatzte ihm die Blase und der eingetretene Brand machte seinem Leben noch im Februar 1698 alsbald ein Ende. So ähnlich stand es im höchstgnädig-priviligierten churfürstlich-pfalzbaierischen Eichstätter Intelligenz-Blatt (ja richtig: so etwas gab es damals noch in Eichstätt), und der Text endet mit dem Satz: „Er würde noch viel Rühmenswerteres ausgeführt haben, wenn ihn nicht ein zu früher Tod hinweggerafft hätte..“ - und ich habe fast den Eindruck, dass dieses Rühmenswerte nachzuholen, dem Kleinkunstverein aufs beste nun gelungen.
Ihnen allen und ganz besonders Ihren Vorständen, dem alten und dem neuen, Herrn Dr. Dieter Hirschberg, Herrn Josef Hörmann und der gesamten Vorstandschaft sei deshalb all unser Dank entpflichtet, nicht zuletzt auch dem Organisator des künstlerischen Programms, Herrn Jürgen Panitz, der im wahrsten Sinne arm wäre ohne jene 333 Mitglieder und Sponsoren, die heute auf sich anstoßen dürfen.
Sie haben Großartiges geleistet,
Sie leisten Großartiges und es ist ein
Geschenk an die Region
und darüber hinaus, wenn das so bleibt!.
Vielen Dank.
