Trauer um Dietmar Panitz

Der kongeniale Partner des Mehlprimeln-Duo's ist tot

Friedhelm Kirchhoff                                                                                                                                            Nördlingen, 03. August 2020

 Trauerrede zum Tod von Dietmar Panitz

Liebe Conny, lieber Volker, lieber Reiner, lieber Jürgen, verehrte Kinder, Angehörige, Freunde, Mitstreiter und Fans von Dietmar,
wir alle haben sicher, wenn wir an Dietmar denken, ein bestimmtes Bild vor Augen:

Bei mir sind es vor allem zwei Bilder, beide in Zusammenhang mit den Mehlprimeln. Das ist zum einen der Musikant, der der Kindertröte zu konzertantem Ruhm verholfen hat und dann der Kabarettist, der uns unzählige Male zur Weihnachtszeit mit dem letztlich traurigen Schicksal eines Weihnachtsbaumes „aus der Zucht“ erheitert hat.
 Das waren Momente, in denen er bei den Mehlprimeln die Hauptrolle spielen durfte, der ansonsten seinem Wesen entsprechend bescheiden eher im Schatten des kunstsinnigen Bruders Reiner agierte. Hier möchte ich den Klappentext über Dietmar aus dem Buch von Reiner „bis zum Sanktnimmerleinstag“ zitieren, den ich besser nicht formulieren könnte:

 Dietmar Panitz

„Ohne ihn wären die Mehlprimeln kein Duo – doch nicht nur deshalb ist er stets dabei … und erinnert den Texter an den Text, spielt äußerst leidenschaftlich Gitarre, genauso wie sein Bassbariton oder die Kindertröte; … Kurz: auch er ein Virtuose in vielerlei Hinsicht. Er sorgt gleichzeitig für die richtige Beschallung und kümmert sich um jegliche Ab- und Aufmischung von Klängen und Stimmungen bis tief in die Nacht – auch nach dem Konzert. Kehrt dann am liebsten, wie sein Bruder, im Thaddäus ein …“
Daraus sieht man schon, nur bei oberflächlicher Betrachtung spielte Dietmar bei den Mehlprimeln die zweite Geige, viel mehr war er ein guter Geist, der das Projekt am Laufen hielt, nicht nur als Mitsänger und Mitspieler, sondern auch als Manager, Logistiker, Techniker und Chauffeur.

Mit seinem Bruder bildete er ein kongeniales Team, immer ein bisschen anders als der Mainstream, voller Humor und Herzenswärme, immer mit einem Augenzwinkern, aufgeschlossen auch für höheren Blödsinn, nie verletzend, immer originell, immer voller musikalischer Überraschungen, die Mehlprimeln waren einfach einzigartig! Wer außer Ihnen hat schon einmal zum 40+1ten Bühnenjubiläum eingeladen? Das war immerhin bereits im Jahr 2013!

Ich habe Dietmar erst Mitte der 90er Jahre kennengelernt, nachdem es mich mit meiner Familie beruflich nach Kaisheim verschlagen hatte. Schnell haben wir das Thaddäus als Ort unserer Sehnsucht entdeckt. Da wir sowieso fast jedes Wochenende dort verbrachten, war es folgerichtig, in den Förderverein einzutreten, wo ich dann alsbald zum 2. Sprecher gewählt wurde. Das bin ich nun seit 23 Jahren und deshalb habe ich heute die Ehre, für den Förderverein Dank zu sagen.

Hätte Dietmar mit seinen Brüdern das unkalkulierbare Risiko des Erwerbs und der aufwändigen Sanierung der früheren Klosterbrauerei nicht auf sich genommen, dann hätten wir nicht unsere famose Kleinkunstbrauerei und es gäbe uns gar nicht! Als am 26. April 1989 der Förderverein Kleinkunstbrauerei Thaddäus auf Initiative des damaligen und auch heute wieder 1. Sprechers Josef Hörmann aus der Taufe gehoben wurde, war Dietmar ein Mitglied der ersten Stunde. Erst seine Kontakte, die der Mehlprimeln und seines Bruders Jürgen, haben es uns ermöglicht, immer wieder ein für einen etwas abgelegenen kleinen Klosterort sensationelles Kleinkunstprogramm mit Weltstadtniveau auf die Beine zu stellen. Die Gästebücher des Thaddäus repräsentieren das „who is who“ der Kleinkunst- und Kabarettszene und regelmäßig erfreuten uns die Mehlprimeln nicht nur mit ihren Konzerten, sondern auch danach, abends am Stammtisch, wenn die Gitarren wieder hervorgeholt wurden.

Natürlich, die Panitz-Brüder sind keine Geschäftsleute, sonst hätten sie das Wagnis einer eigenen Bühne wahrscheinlich gar nicht auf sich genommen. Vielmehr waren und sind sie gute Gastgeber, Menschen, die gerne feiern, gute Speisen und guten Wein genießen und zusammen mit ihrem Team die einzigartige Wohlfühlatmosphäre des Thaddäus geschaffen haben.

Dietmar war – wie seine Brüder – naturverbunden, traditionell im besten Sinne, die mit ihrer Kunst das Echte, Ursprüngliche bewahren wollen, sei es die Pflege der Volksmusik, auch zusammen mit den Thürlesbergern, sei es durch ihr frühes politisches Engagement gegen die Zerstörung unserer unmittelbaren Umwelt und Natur.

Gerne hielt er sich im Wald auf und brachte fantastische Exemplare von Steinpilzen von seinen Spaziergängen mit. Leider hat er wie jeder echte Pilzsammler niemandem verraten, wo er die Ernte eingeholt hat. Auch bei der Zubereitung stand er seinen Mann und das war vielleicht auch der Start seiner dritten oder vierten Karriere, nämlich der als Koch im Thaddäus. Da habe ich ihn bewundert, wie er als Autodidakt eine Großküche gemeistert hat, ich erinnere mich besonders an köstliche Fischgerichte, einer seiner Spezialitäten. Gerne hat er im Anschluss darüber gefachsimpelt, die Herkunft und Qualität der Zutaten, die beste Zubereitungsart, ach und leider die Unkosten, die das Leben als Wirt so schwer machen.

Und Dietmar war ein Frauenversteher, sein Ruf als Herzensbrecher war früher legendär. Wenn man ihn in alten Fotoalben als langmähnigen braungebrannten Fußballstar wiederfindet, kann man ahnen, warum. Viele seiner früheren Beziehungen sind vermutlich auch an der innigen, fast symbiotischen Verbindung von Dietmar mit seinen beiden älteren Brüdern Reiner und Jürgen gescheitert, die man sozusagen mitheiraten musste, seit es das Thaddäus gab. Erst Conny hat es geschafft, sich dort zu behaupten. Und auch ohne das Eheversprechen bist du ihm beigestanden, in guten wie leider auch zuletzt in weniger guten Tagen. Wir haben uns alle sehr gefreut und Glück gewünscht, als ihr dann doch noch in den Hafen der Ehe eingelaufen seid. Es war eine große Beruhigung, dass Dietmar in seiner schweren Krankheit so liebevoll umsorgt wurde.

Nun müssen wir Abschied von Dietmar nehmen, den Mehlprimeln ist eine tragende Säule weggebrochen, dir, lieber Reiner der Bruder, dein alter ego, wir haben nicht nur ein Mitglied, sondern einen guten Freund und liebenswerten Künstler verloren. Wir fühlen mit dir, liebe Conny, mit seinen Brüdern, seinen Kindern und allen Angehörigen. Ich bin sicher, Dietmar sitzt jetzt bei einem guten Glas Weißwein im Musikerhimmel, schaut heiteren Gemüts auf uns herab und freut sich verschmitzt über alle lobenden Worte und positiven Gedanken.

Und vielleicht geht es euch wie mir, ich werde Dietmar nicht als von seiner Krankheit gezeichnet, sondern als den Musiker mit der Kindertröte und als fröhlichen Kabarettisten in Erinnerung behalten, der sogar einen Weihnachtsbaum zum Leben erwecken konnte