Die höhere Kunst des Blödelns
Friedemann Weise mit einem absurd-witzigen Blick auf Alltagsprobleme im Kaisheimer Thaddäus:
Wohnungsnot, Fachkräftemangel und Alltagskuriositäten stehen im Mittelpunkt des Programms.
Donauwörther Zeitung Nr. 102 vom 05. Mai 2026 Von Tobias Böcker

Grandioser Humor in Kaisheim: der Kabarettist Friedemann Weise. Foto: Tobias Böcker
Kaisheim Was uns so alles bewegt: Fachkräftemangel, Wohnungsnot, die gute alte Zeit oder die Frage, was der Bäcker zum Frühstück isst. Friedemann Weise weiß, was er dazu singen und sagen will. Ob allein auf der Bühne oder im virtuellen Zwiegespräch mit seinem Mini-Klon Friedemännchen. Der übrigens gilt aufgrund seiner unter zehn Zentimeter messenden Körpergröße als Nager und darf in einer Kiste gehalten werden.
Ein Kabarettist in der Tradition des höheren Blödsinns, irgendwo auf der langen Linie von Heinz Erhardt, Otto Waalkes oder anderen Großen des intelligenten Blödelns, dabei gar nicht so harmlos, wie er vielleicht erscheint. Wie er so beiläufig von einem Freund erzählt, der in Berlin eine Wohnung sucht, nur was kleines für seine studierende Tochter, so 60 bis 80 Quadratmeter. Aber der meint eben, in Berlin kannst du die Mieten nicht mehr zahlen, er hat die Wohnung dann kaufen müssen. Und bis er die allein erziehende Mutter da rausgeklagt hatte, waren noch mal drei Wochen rum, unglaublich, das zahlt einem ja keiner. Und ja, da bleibt nur eine Lösung: Einfach bei Ikea einziehen, nicht mehr wohnen, sondern leben. Gute Idee, vor allem, wenn man bedenkt, was sich alles auf Ikea reimt: Millionea, schön lea, und es kommen alle hea.
Gegen den Fachkräftemangel gibt es leider kein so probates Mittel, nicht gegen den Menschen an sich, und auch Friedemännchen aus der Kiste, immer mal wieder zugeschaltet, weiß keinen Rat, nicht mal der liebe Gott am Telefon.
Richtig und im Sinne regionaler wie saisonaler Ernährung zielführend dagegen statt des Edelmörsers aus italienischem Marmor der Mörser-Sharing-Ring mit 24 anderen Haushalten, vor allem, wenn der Mörser unter dem Straßenbelag ja unmittelbar zur Verfügung steht und kein Stein dafür sterben muss, das zu Mörsernde zu mörsern. Das ist dann ganz einfach netter, absurder Blödsinn, durchaus am Zeitgeist, treffend, aber ohne erhobenen Zeigefinger.
Apropos: Wer Kinder hat, weiß mehr vom Leben. Respekt oder Mitleid der Nachgeborenen kann man sich erwerben mit der Information, dass man das erste Smartphone erst mit 38 bekommen habe, Entsetzen wecken mit der Erinnerung an Autos ohne Einparkhilfe oder Radfahren ohne Helm. Kein Platz für Nostalgie also, obwohl: Auch für die kommende Generation gilt – übrigens mit Chip im Kopf statt Smartphone: Auch ihr werdet was finden, was ihr gut gefunden haben werdet.
Also und: Was isst denn nun der Bäcker zum Frühstück? Ganz einfach: Brot vom Vortag, samt schmatzendem Brotsolo, aber nur, wenn es nicht aus der langsamsten Pizzeria der Welt kommt.